Peter Pan von der Straße, Käpt'n Hook aus dem Nachbarzimmer

Ein fantastisches Tanztheater mit Bernsteins Musik begeistert

das Orchester
April 2024
Jens Daniel Schubert
Träumen vom Nimmerland: Brieann Pasko als Wendy und Filippo Nannucci als Peter


Nimmerland ist überall. Die Geschichte von Peter Pan, dem Jungen, der nicht erwachsen werden wollte, hat auch Leonard Bernstein fasziniert. Seine Musical-Musik Peter Pan für Orchester, Chor und zwei Solisten (Wendy und Captain Hook) ist in Görlitz die Basis des Tanzstücks für die ganze Familie, das die scheidenden Ballettchefs Dan Pelleg und Marko E. Weigert mit ihrer Compagnie inszeniert haben. Die spannende Kombination aus Tanztheater und gesungenen Rollen, in der kein Dialog, sondern nur der Tanz die Geschichte erzählt, funktioniert hervorragend und nimmt das Publikum, vom Enkel bis zu den Großeltern, mit.

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Die Neue Lausitzer Philharmonie unter Generalmusikdirektorin Ewa Strusińska, deren Engagement zu Spielzeitende ebenfalls endet, musiziert die illustrative und überaus gestisch-tänzerische Musik flott und stimmungsvoll. Die Dirigentin schöpft die Ausdrucksmittel in ihrer Vielfalt aus und führt sicher, ohne den Spielfluss zu bremsen.

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Pelleg/Weigert verlegen die Geschichte in den Schlafsaal eines Waisenhauses mit mütterlicher Erzieherin und einem sehr gestrengen Hausherrn, der auch mal mit der Suppenkelle austeilt und einen allzu widerspenstigen Knaben am Ohr aus dem Zimmer zerrt. Genau dieser Junge ist es, der dann später, mit dem Löffel-Monokel als Augenbinde und der Suppenkelle als Enterhaken-Hand, in die Rolle des Käpt'n Hook schlüpft.

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Dieses wunderbar wandelfähige Bühnenbild mit fliehenden Perspektiven und die bunten Fantasiekostüme […] stammen von Markus Pysall. […] die Zeit verfliegt wie Peter Pan, man kann träumen und in eine Fantasiewelt abheben, sich, auch wenn man längst erwachsen ist, noch einmal hineinnehmen lassen in eine Welt, in der sich alles spielerisch lösen lässt.

Wo, wenn nicht auf dem Theater, sollte dieses Nimmerland zu finden sein? Es ist tatsächlich ein Stück für alle jungen und älter gewordenen Menschenkinder. Das Publikum zeigte sich begeistert und applaudierte zur Premiere langanhaltend.